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Biokunststoffe

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden oft als Biokunststoffe oder Biopolymere bezeichnet.

So ist es heute:

Kunststoffe erleichtern unseren Alltag. Ohne Kunststoffe wäre vieles nicht so einfach. Sie
sind in allen Bereichen unseres Lebens zu finden:                                                          
Automobile, Medizin, Landwirtschaft, Textilien, Gebrauchsgüter, Verpackungsmaterial.   

Der unbesorgte Umgang mit den Abfällen, insbesondere des Verpackungsmaterials, ist eine
der Herausforderungen unserer Zeit. Gerade in Ländern wie Afrika, Asien und Südamerika,
wo keine geregelte Abfallentsorgung, geschweige denn Recyclingsysteme installiert sind,
landet das ganze Verpackungsmaterial irgendwann in den Weltmeeren. Deshalb, und auch
seit man Mikroplastik in uns Menschen entdeckt hat, mehren sich die Forderungen nach
einem Plastikverbot.

Wären Biokunststoffe die Lösung des Problems?
Der Begriff "Biokunststoff" ist nicht geschützt, es gibt keine einheitliche Definition. Er
umfasst viele unterschiedliche Kunststoffe mit den wiederum unterschiedlichsten
Eigenschaften. Im Groben unterscheidet man biobasierte Kunststoffe und petrobasierte
Kunststoffe.

Das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe in Hannover hat ein Polymerkreuentwickelt, das sehr schön die einzelnen Biokunststoffe einordnet:

Man erkennt, dass biologisch abbaubare Kunststoffe nicht unbedingt biobasiert sein müssen,
bzw. gilt das auch umgekehrt.  

Biobasiert heißt, das Material oder Produkt ist (teilweise) aus Biomasse (Pflanzen oder Tiere) erzeugt worden.

Biomasse, die für Biokunststoffe eingesetzt werden, sind z. B. Mais, Zuckerrohr oder Cellulose.
Biokunststoffe sind also biobasiert, biologisch abbaubar oder beides zugleich.

Plastik statt Brot?
In der oberen Hälfte des Polymerkreuzes finden sich alle Kunststoffe, die aus
nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Aber, haben wir überhaupt so viel Fläche,
die für die Biokunststoffe genutzt werden kann, ohne Gefahr zu laufen, daß wir verhungern?
Im Jahr 2018 wurden ca. 0,8 Mio Hektar für die Herstellung von Biokunststoffen genutzt. Es
sind dies weniger als 0,02% der weltweit verfügbaren Ackerflächen.

Für 2024 rechnet man mit einem Flächenbedarf von 1 Mio Hektar, die für Biokunststoffe benötigt werden (alle
Zahlen von Eropean Bioplastics, facts and figures 2018). Noch ist der Bedarf an Fläche für
Biokunststoffe vernachlässigbar.

Sind nun Biokunststoffe umweltfreundlicher?

Es hört sich gut an: Bioplastik, welches verrottet, statt die Natur zu verschmutzen.
Leider sind die biologisch abbaubaren Kunststoffe aber nicht gleichzeitig nachhaltig.
Die Bezeichnung "nachwachsende Rohstoffe" trägt dazu, hier zu denken es handle sich um unbegrenzt vorhandene Ressourcen.
Leider falsch gedacht.
Denn die Erzeugung pflanzlicher Rohstoffe verbraucht Böden, Dünger, Wasser, Pestizide und Energie. Diese geht verloren, egal ob die Biokunststoffe verrotten oder verbrannt werden.

Zudem werden Biokunststoffe in der Praxis i.d.R. nicht kompostiert, denn sie benötigen zu lange für die Verrottung im Kompostwerk. Im Bioabfall lassen sie sich kaum von herkömmlichem Kunststoff unterscheiden und werden demzufolge aussortiert. Sie landen im Restmüll.  Das ist Ressourcenvernichtung und Energieverschwendung. Aber, bei einer Verbrennung wird nur das CO2 freigesetzt, daß beim Wachsen des biologischen Materials gebunden wurde.

Ein Recycling von Biokunststoffen ist nur bei den nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen (Bio-PE, Bio-PP, usw.) möglich. Die biologisch abbaubaren Kunststoffe sind Störstoffe, die die Qualität der Rezyklate beeinträchtigen und sie unverkäuflich werden lassen. Sobald Biokunststoffe recycelt werden können, sind sie auch nachhaltig. Vermutlich wird auch das irgendwann einmal möglich sein.

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